Seit Januar 2026 stellt Westfalen angehenden und bestehenden Kunden den so genannten Product Carbon Footprint (PCF) nach ISO 14067 für (fast) alle Gase und Spezialgase zur Verfügung. Der PCF gibt den CO2-Fußabdruck von Produkten an und beziffert somit alle klimaschädlichen Emissionen, die in einem Produktlebenszyklus verursacht werden. Christin Wessels, Head of Sustainability, und Inga Oertker, die als Leiterin Business Management Technische Gase die TÜV-Prüfung der Daten verantwortet, erklären im Interview, worum es dabei geht.
Inga, du verantwortest bei Westfalen die Berechnung und Prüfung der Daten für die betroffenen Gase. Wie habt ihr diesen CO2-Fußabdruck für die einzelnen Produkte berechnet?
Wir wollten genau darstellen, wie viele klimaschädliche Emissionen – im Fachjargon spricht man da von THG-Emissionen – unsere Produkte verursachen, und zwar beginnend bei den Rohstoffen bis hin zum Verlassen des Werktores. Auch dafür gibt es einen feststehenden Begriff „Cradle-to-Gate“-Ansatz – von der Wiege bis zum Werktor. Wir haben also genau geprüft, welche Emissionen unsere Rohstoffe mitbringen, welche Emissionen in unseren Luftzerlegungsanlagen oder bei der Aufreinigung und Verflüssigung entstehen, aber auch beim Transport von der Produktionsstätte zu unseren Abfüllwerken und Lagerung oder bei der Abfüllung in Flaschen.
Dabei haben wir uns an den Vorgaben der ISO 14067 orientiert – diese Norm ist genau dafür gemacht, den Carbon Footprint von Produkten zu berechnen und beschreibt die Anforderungen. Sie sichert, dass der PCF vollständig, nachvollziehbar, transparent und vergleichbar mit anderen PCFs ist. Schließlich haben wir unsere PCFs vom TÜV Rheinland zertifizieren lassen – damit wir unseren Kunden garantieren können, dass sie sich auf die Daten verlassen können.
Warum seid ihr diesen Schritt gegangen?
Christin: Immer mehr Unternehmen setzten sich Nachhaltigkeitsziele und erfassen ihre CO2-Bilanz, mitsamt der sogenannten Scope-3-Emissionen – also den Emissionen die vor- und nachgelagert entstehen, z. B. beim Einkauf von Gasen. Wir wollen unseren Kunden helfen, nachhaltiger zu werden und wollten es von Anfang an richtig machen: Unsere Kunden sollen sich auf die von uns gelieferten Daten verlassen können und diese direkt in Ihre CO2-Bilanzen übernehmen können.
Inga: Außerdem war uns das Thema der Vergleichbarkeit sehr wichtig. Mit der TÜV-Zertifizierung nach ISO-Norm bieten wir valide, objektivierte Daten an. Kunden können die CO2-Emissionen unserer Produkte mit denen von Produktalternativen vergleichen. Ganz transparent. Das bietet Orientierung auf dem Weg hin zu weniger Emissionen entlang der Wertschöpfungskette.
Welche Produkte habt ihr beim PCF berücksichtigt?
Inga: Alle technischen Gase und Spezialgase in unserem Sortiment. Ausgenommen waren lediglich kundenindividuelle Gasgemische sowie die beiden Exoten Deuterium und Tetrafluormethan. Soweit wir wissen, sind wir damit Vorreiter: Wir bieten somit TÜV-geprüfte PCFs für das gesamte Sortiment.
Christin: Für die natürlichen Kältemittel R-290, R-717 und Pronat® R-744 können wir ebenfalls zertifizierte PCFs ausweisen. Es handelt sich bei diesen Produkten um Propan, Ammoniak und CO2. Auf Pronat® R-744 sind wir dabei besonders stolz: Dessen Produktion erfolgt mit bilanziellem Ökostrom, Restemissionen gleichen wir über ein Klimaschutzprojekt mit Gold-Standard aus. So erreichen wir einen vom TÜV bestätigten „emissionsausgeglichen“ PCF. Damit ist das Produkt Vorreiter in unserem Portfolio – es war auch das erste Produkt, für das wir einen PCF berechnet und zertifiziert haben.
Da es ja letztlich viele ganz verschiedene Gase betrifft: Gab es Hürden und Herausforderungen bei der Berechnung des PCF?
Inga: Das Thema technische Gase und Spezialgase ist im Bereich PCF doch eher speziell. Gemeinsam mit dem TÜV Rheinland konnten wir dann alle relevanten Daten erheben, aufbereiten und verarbeiten. Der Großteil der CO2-Emissionen entfällt bei unseren Gasen tatsächlich auf die eigentlichen Produktionsprozesse. Lagerung und Transport machen nur einen geringen Anteil aus, da wir bereits jetzt die Wege in der Logistik so gering wie möglich halten.
Und wie läuft das dann konkret im Alltag ab, also wo erhalten Kunden Einsicht in den PCF der Produkte?
Inga: Interessenten und Kunden können den PCF einfach bei Ihrem persönlichen Ansprechpartner anfragen. Oder sie schreiben formlos eine Mail an pcf@westfalen.com. Kunden erstellen wir gern einen Nachweis über die Gesamtemissionen, die bei der Produktion der gekauften Gase entstanden sind. Dazu benötigen wir dann die Kundennummer und den Zeitraum, den wir auswerten sollen.
Sind die Westfalen Produkte mit PCF „grüner“ als andere?
Christin: Nein. Mit dem PCF haben wir erst einmal nur den Ist-Stand erhoben. Damit haben wir nun aber eine valide Basis, um unser Produktportfolio Schritt für Schritt nachhaltiger zu gestalten und Emissionen zu reduzieren.
Inga: Wir bieten Kunden bereits an, die Emissionen unserer Luftgase Argon, Stickstoff und Sauerstoff zu kompensieren. Außerdem prüfen wir zurzeit die Nutzung von Ökostrom für die Produktion dieser Gase, was ihren CO2-Fußabdruck reduzieren würde.
Nachhaltigkeit bei Westfalen – Handlungsfelder und Verständnis
Qualität und Sicherheit – unser Anspruch